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Presseinformation: Auftakt der bundesweiten Innovationsoffensive

HEGGEMANN und LWF beim Auftakt der bundesweiten Innovationsoffensive. Mittelstand und Gründer. am 19. April in Paderborn

Am 19. April 2017 startete die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit gemeinsam mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) e.V. und der AiF Forschung · Technik · Kommunikation GmbH (AiF F·T·K)  ihre diesjährige Innovationsoffensive. Mittelstand und Gründer. im Airport-Forum am Airport Paderborn/Lippstadt. Die Innovationsoffensive. Mittelstand und Gründer. ist eine bundesweite Veranstaltungsreihe, die mittelständische Unternehmen und Gründer bei der individuellen Entfaltung ihres Innovationspotenzials unterstützt und über politische Rahmenbedingungen und Chancen für die Gesellschaft informiert.

Über sechzig Unternehmer und Interessierte waren hierzu ins Airport-Forum gekommen. Nachmittags boten die Partner drei Workshops zu den Themen „Innovationsförderung“, „Kreative Köpfe finden und binden“ und „Design Thinking“ an. Anschließend trafen sich die Teilnehmer im Plenum und diskutierten die Bedeutung von Innovationen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Jan-Frederik Kremer, Leiter des NRW-Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung, zeigte sich begeistert über die hohe Teilnehmerzahl trotz der Osterferien: „Es ist schon sehr erstaunlich, wie viele Hidden Champions und Mittelständler hier in Ostwestfalen-Lippe ihren Sitz haben und welches Potential in der Region steckt.“ Zahlreiche Teilnehmer freuten sich darüber, dass die Innovationsoffensive ihren Anfang ausgerechnet in Paderborn machte. Dr. Marc Cezanne, Geschäftsführer des Airport Paderborn/Lippstadt, bemerkte: „Genauso wie die Region Ostwestfalen-Lippe ist auch der Mittelstand in Deutschland unterschätzt. Oft habe ich den Eindruck, dass ein Unternehmen, um wahrgenommen zu werden, möglich groß und leidend sein muss.“ Er erklärte es zum wichtigen Ziel, die Wirtschaftskraft mittelständischer Hidden Champions ans Tageslicht zu bringen.

Johannes Vogel, Generalsekretär der FDP NRW, forderte eine Wirtschaftspolitik, die die Innovationskraft des Mittelstandes stärkt. „Innovation setzt Freiheit voraus. Dazu müssen wir die Rahmenbedingungen für das 21. Jahrhundert schaffen", begann Vogel. Hierfür forderte er einen effizienten und digitalisierten Staatsapparat nach estnischem Vorbild, wo der digitale Staat Alltag ist. „Neulich wurde der estnische Premierminister auf CNN gefragt, ob es wirklich wahr sei, dass man in Estland seine Steuererklärung elektronisch abschicken könne und innerhalb von fünf Minuten einen Bescheid erhalte“, erzählte Vogel, „Er verneinte. Nach dem letzten Update dauere der Vorgang nur noch drei Minuten.“ Deutschland hingegen stehe derzeit im Europavergleich bei der Digitalisierung nicht besonders gut da. Vogel forderte: „Wenn wir wollen, dass der Mittelstand als Fundament unseres Wohlstands vorne bleibt, müssen wir auch bei der digitalen Infrastruktur ganz vorne mitspielen.“ Wertvolle Zeit, die sie für innovative Tätigkeiten nutzen könnten, müssen Unternehmer und Gründer hierzulande in die ausufernde Bürokratie stecken.

Weiterhin forderte Vogel einen flexibleren Arbeitsmarkt, auf dem sich der Arbeitsalltag individuell gestalten lasse: „Innovationen entstehen nicht in genormten Lebensläufen, genormten Beschäftigungsverhältnissen und genormten Arbeitsplätzen.“ Unser Arbeitszeitgesetz schreibe immer noch vor, höchstens zehn Stunden pro Tag zu arbeiten und elf Stunden Pause zwischen den Arbeitstagen zu haben. Dieses Gesetz passe für viele Berufe nicht mehr in die heutige, mobile Lebensrealität, in der sich ein Familienvater seine Arbeitszeit möglicherweise nach den Öffnungszeiten seiner Kita einrichten und am Abend nochmal in seine Emails schauen möchte. Vogel schlug vor, eine fixe Wochenarbeitszeit einzurichten, bei der an den einzelnen Tagen zeitliche Freiheit herrsche, sodass jeder Einzelne seine Zeit verantworten könne. Vogel sah es zudem als wichtige staatliche Aufgabe, Forschung und Entwicklung steuerlich stärker zu fördern. Laut einer KfW-Studie ging die Innovationstätigkeit im Mittelstand in den vergangenen Jahren stark zurück: "Dass Mittelständler zunehmend auf Innovationen verzichten und der Anteil der Gründer in Deutschland heute auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt ist, sind alarmierende Erkenntnisse".  

Robert Heggemann, Vorstandsvorsitzender des Flugzeugbauers HEGGEMANN AG aus Paderborn, kritisierte, dass die Politik immer wieder ein Loblied auf den Mittelstand singe, Taten aber häufig eher der Großindustrie zugutekommen und verhältnismäßig wenig dem Mittelstand. Weiterhin seien Förderprogramme für Innovationen oft sehr bürokratisch: „Ich habe erlebt, dass eher Projekte gefördert werden, die einer Förderrichtlinie entsprechen, als Projekte, hinter denen wirklich eine nachhaltige Idee steckt. Oftmals werden gute Ideen abgelehnt, weil sie als nicht innovativ genug eingeschätzt werden, obwohl sie Arbeitsplätze sichern würden. Wenn ein Mittelständler eine Lösung für Problem sucht, muss er sich also verbiegen, um ein Förderinstrument zu finden, das auf sein eigenes Projekt passt.“

Heggemann beschrieb die widersprüchlichen Marktanforderungen an den heutigen Flugzeugbau. Einer immer höheren Stückzahl von Flugzeugen, die gebaut werden sollen, stehen beispielsweise sehr starre Fertigungsstrategien und –Prozesse entgegen. Gerade deshalb seien für die HEGGEMANN AG Innovationen von besonders hoher Bedeutung. „Uns gelingt Innovation durch Kooperation“, erläuterte Heggemann. Das Unternehmen kooperiere erfolgreich mit dem Laboratorium für Werkstoff- und Fügetechnik (LWF) der Universität Paderborn. „Diese Kooperation ist für uns nicht nur auf technischer Ebene extrem hilfreich“, so Heggemann, „sondern auch für unsere Personalentwicklung, denn wir konnten schon einige Mitarbeiter erfolgreich über das LWF rekrutieren.“ Prof. Dr.-Ing. Gerson Meschut, Leiter des LWF stellte am Beispiel einiger Projekte der Industriellen Gemeinschaftsforschung der AiF die erfolgreiche Kooperation zwischen Industrie und Wissenschaft dar.

Diesen Gedanken setzte Michael Krause, Geschäftsführer der AiF F-T-K GmbH, fort: „Innovationswillige mittelständische Unternehmen haben oftmals keine ausreichenden eigenen Forschungs- und Entwicklungsressourcen, um regelmäßig neue wettbewerbsfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen zu entwickeln. Um ihre Innovationsziele dennoch zu erreichen, sind sie auf die Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft angewiesen - die sie allerdings mitunter erst kennen lernen müssen.“ Genau das sei das Ziel der Innovationsoffensive.

Von Paderborn aus bietet die Innovationsoffensive. Mittelstand und Gründer. bis Mitte Oktober an weiteren acht Stationen Mittelständlern, Start-Ups und Wissenschaft einen kostenfreien Blick hinter die Kulissen der Innovationstätigkeit mittelständischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen, fachliche Impulse in Kleingruppenworkshops sowie Dialoge mit der Politik. Die nächsten Veranstaltungen finden am 3. Mai in Nürnberg im Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, am 31. Mai in Hamburg in der Kühne Logistics University und am 1. Juni in Berlin in der Steinbeis-Hochschule statt. Weitere Termine sind bis Mitte Oktober in Karlsruhe, Düsseldorf, Bremen, Osnabrück und Mainz geplant.

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