Einer unserer wissenschaftlichen Mitarbeiter vertrat den Lehrstuhl für Leichtbau im Automobil im Juni auf zwei internationalen Fachkonferenzen und präsentierte aktuelle Forschungsarbeiten zu faserverstärkten Metall-Kunststoff-Hybridstrukturen. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Analyse fertigungsbedingter Eigenspannungen und Verformungen sowie deren gezielte Beeinflussung durch Faservorspannung. Die Veranstaltungen boten zugleich die Möglichkeit, aktuelle Fragestellungen und Entwicklungen im Bereich des Hybridleichtbaus mit einem internationalen Fachpublikum zu diskutieren.
Vom 22. bis 26. Juni fand die „29th International Conference on Composite Structures“ (ICCS29) in Cagliari, Italien, statt. Die internationale Konferenz bringt Forschende aus verschiedenen Bereichen der Verbundwerkstoffe und Verbundstrukturen zusammen, um sich über aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen sowie neue experimentelle und numerische Ansätze auszutauschen. Zu den Themenschwerpunkten zählten die Entwicklung und Auslegung von Verbundstrukturen, experimentelle Methoden, fortschrittliche numerische Verfahren sowie die Analyse von Schädigung, Versagen und Dauerhaftigkeit. Weitere auf der Konferenz behandelte Themen waren unter anderem Mehrskalenanalysen, Fügeverbindungen sowie nachhaltige, recyclingfähige und recycelte Verbundwerkstoffe. Mit Hayrettin Irmak war auch einer unserer wissenschaftlichen Mitarbeiter vor Ort und hielt einen Vortrag mit dem Titel „Analysis of the effect of fibre-prestressing on residual stresses in CFRP/steel hybrid components using a micromechanics-based finite element simulation with a dehomogenization method“. Im Rahmen des Vortrags wurde ein mehrskaliger Simulationsansatz zur Analyse fertigungsbedingter Eigenspannungen in Stahl-CFK-Hybridstrukturen vorgestellt. In der ersten Phase der Untersuchung wurde der Aushärtungs- und Abkühlprozess auf der Ebene der Faser-Matrix-Mikrostruktur simuliert. Die aus dieser Analyse ermittelten Materialeigenschaften wurden anschließend auf ein Modell des Hybridlaminats übertragen. Die Simulationen zeigten, dass eine gezielte Faservorspannung nicht nur die Eigenspannungen an der Grenzfläche zwischen CFK und Stahl, sondern auch den fertigungsbedingten Verzug des Laminats deutlich reduzieren kann. Mithilfe einer Dehomogenisierungsmethode wurde zudem untersucht, wie sich der makroskopische Verformungszustand auf die lokalen Spannungen in Fasern und Matrix auswirkt.
Nahezu zeitgleich fand vom 23. bis 25. Juni das internationale Symposium „Residual Stress in Materials Science and Engineering“ (RSMSE 2026) als Hybridveranstaltung in Kassel und online statt. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen die Weiterentwicklung der Charakterisierung und Modellierung von Eigenspannungen in Werkstoffen und Bauteilen sowie der Austausch zwischen Fachleuten aus Wissenschaft und Industrie über Messmethoden, Simulationen und die gezielte Beeinflussung von Eigenspannungen. Hayrettin Irmak nahm online teil und hielt einen Vortrag mit dem Titel „The investigation of residual stress distribution in metal-CFRP hybrid structures produced by the developed fiber pre-tensioning tool concept“. Darin stellte er ein am Lehrstuhl für Leichtbau im Automobil entwickeltes Werkzeugkonzept zur Herstellung faservorgespannter Stahl-CFK-Hybridstrukturen vor. Untersucht wurden eine Referenzkonfiguration ohne Faservorspannung sowie zwei Konfigurationen mit unterschiedlichen Vorspannungsniveaus. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die numerische Simulation des gleichzeitigen Aushärtungs- und Hybridisierungsprozesses, mit der die entstehenden Eigenspannungen und der fertigungsbedingte Verzug des Laminats analysiert wurden. Abschließend wurden die berechneten Eigenspannungsverteilungen mit den experimentellen Ergebnissen der inkrementellen Bohrlochmethode verglichen.
Durch die Teilnahme an beiden Konferenzen konnte das LiA seine aktuellen Forschungsarbeiten zur Herstellung und Auslegung von Metall-CFK-Hybridstrukturen einem internationalen Fachpublikum vorstellen. Gleichzeitig boten die Veranstaltungen Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch über neue Methoden und Entwicklungen in den Bereichen Verbundwerkstoffe und Eigenspannungsanalyse.
Link zur ICCS29: events.unibo.it/iccs/
Link zur RSMSE 2026: dgm.de/rsmse/2026