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| Mitteilung

Power auf die Schiene: RailCampus OWL

Wer auf die deutsche Klima-Bilanz schaut, kommt am Thema Bahn nicht vorbei: Nur wenn deutlich mehr Menschen und Güter auf der Schiene unterwegs sind, kann Wachstum künftig CO2-neutral erfolgen. Damit der Schienenverkehr sein Potenzial voll ausschöpfen kann, braucht es innovative Technologien. Genau darum geht es im Projekt RailCampus OWL. Hochschulen, Bahn und Wirtschaft entwickeln am Standort Minden ein einzigartiges Innovationsnetzwerk für die Bahntechnologie der Zukunft und bilden Studierende für die Verkehrswende auf der Schiene aus. Auf einem digitalen Parlamentarischen Abend am 13. April haben Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft das Projekt mit einem Memorandum of Understanding besiegelt.

Auf dem geplanten RailCampus OWL dreht sich alles um das Thema Digitalisierung der Schiene. Hochschulen, Hersteller*innen und die Deutsche Bahn schaffen am Standort in Minden gemeinsam ein einzigartiges Ökosystem für intelligente und effiziente Bahntechnologie. Schon jetzt hat das Projekt bundesweite Strahlkraft. Nach den Plänen des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur wird der RailCampus OWL eine Außenstelle des Deutschen Zentrums Mobilität der Zukunft (DZM), das nachhaltige Mobilität in Deutschland vorantreiben soll. Der RailCampus OWL erhält Bundesfördermittel in Höhe von 20 Millionen Euro.

Das Projekt bringt führende Expert*innen für Bahntechnologie aus Wissenschaft und Industrie auf einem Campus zusammen und wird mit neuen Studiengängen Fach- und Führungskräfte für ein neues technologisches Zeitalter im Schienenverkehr ausbilden.

Projektinitiatoren sind die Universität Bielefeld, die Fachhochschule Bielefeld, die Universität Paderborn und die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Seitens der Wirtschaft sind die Deutsche Bahn mit der DB Systemtechnik und DB Cargo sowie HARTING und WAGO mit an Bord – Gespräche mit weiteren Partner*innenn laufen. Auch die Stadt Minden und der Kreis Minden-Lübbecke zählen zu den Projektpartner*innen. „Im RailCampus OWL-Projekt machen die Hochschulen in OWL den Schienenverkehr mit ihrer Lehr- und Forschungsexpertise bereit für das 21. Jahrhundert. Die Universität Paderborn freut sich, mit dem RailCampus OWL an ihre Forschungsexpertise im Bereich Bahntechnik anzuknüpfen“, so Prof. Dr. René Fahr, Vizepräsident für Wissens- und Technologietransfer der Universität Paderborn.

Die Synergien zwischen den Hochschulen, der Industrie und der Deutschen Bahn sollen dazu beitragen, Produkte und Ideen zur Digitalisierung des Bahnbetriebs schneller und besser umzusetzen. In Minden befindet sich der größte Standort der DB Systemtechnik, des führenden Kompetenzzentrums für Schienenverkehrs- und Fahrzeugtechnik in Europa. Entsprechend hat die größte europäische Güterbahn, DB Cargo, ihr Technologie- und Entwicklungszentrum für Güterwagen ebenfalls in Minden verankert. Für diesen und für andere Standorte braucht die DB gut ausgebildetes Personal. Ziel ist es, in Kooperation mit den beteiligten Hochschulen auf dem RailCampus OWL Ingenieur*innen auszubilden. Gleichzeitig bekommen Mitarbeitende des Sektors Bahn eine Entwicklungs- und Weiterbildungsperspektive.

DB Cargo erwartet durch die strategischen Partnerschaften mit der Industrie und den Hochschulen deutliche Impulse für Innovationen in der Bahntechnologie des Schienengüterverkehrs. Die Automatisierung und Digitalisierung der Prozessabläufe und der Güterwagentechnologie sind eine wichtige Voraussetzung für die Verkehrswende und sollen wesentlich in dieser Kooperation vorangetrieben werden.

Die DB Systemtechnik stellt für den RailCampus OWL Teile ihres Geländes und der Gebäude in der Mindener Pionierstraße zur Verfügung. Sie hat sich am Aufbau und den Studien zum Potenzial des RailCampus beteiligt. Mitarbeiter der DB Systemtechnik und von DB Cargo unterstützen das Projekt.

Neue Studiengänge und eine leistungsfähige Forschungsinfrastruktur für die akademische und berufliche Bildung

Die vier beteiligten Hochschulen konzipieren gemeinsam einen Bachelor-und einen Masterstudiengang, der Studierenden ein umfangreiches Wissen über die technologischen Anforderungen intelligenter Bahnsysteme vermittelt. Die Deutsche Bahn und die zahlreichen Hersteller*innen von Bahntechnik brauchen gut ausgebildetes Personal, das eine hohe Kompetenz in den Bereichen Informatik, Data-Science und Systemtechnik sowie Know-how im System Bahn besitzt. Darüber hinaus wird es auf dem RailCampus OWL innovative Lehrkonzepte für den Bereich der beruflichen Bildung geben, die die Fachleute der Zukunft fit machen für den Umgang mit neuen Technologien und Prozessen. Ziel des RailCampus OWL ist ein Brückenschlag zwischen Forschung, akademischer und betrieblicher Bildung. Der entscheidende Vorteil des RailCampus OWL ist dabei die direkte Nähe zur Forschung. Auf dem Campus wird es unter anderem eine Forschungshalle mit mehreren Gleisen, einer ausgefeilten Prüf- und Testinfrastruktur und High-Tech-Laboren geben. Für Forschende und Studierende entsteht ein modernes Forschungs- und Institutsgebäude mit Räumen für Seminare und Vorlesungen.

Autonomes und automatisiertes Fahren auf der Schiene

Beim Thema Digitalisierung der Schiene stehen autonome und automatisierte Bahnsysteme im Güter- und Personenverkehr im Fokus. Wie kann man die Schieneninfrastruktur effizienter nutzen und die Taktzeiten erhöhen? Wer mehr Züge auf die Schiene bekommen möchte, muss ein sich in Teilen selbst organisierendes Bahnsystem an den Start bringen. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, ob Züge sich selbst steuern können, wie schnell und mit welchen Abständen sie fahren. Es geht auch darum, welche Technologien erforderlich sind, damit ein autonom fahrender Zug sicher unterwegs ist und wie dafür die Leit- und Sicherungstechnik ausgebaut werden muss.

Intelligente Wartung

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung ist die intelligente Wartung. Stichwort: „Digitaler Zwilling“. Wie können Ingenieur*innen mithilfe des digitalen Modells eines Zuges vorhersehen, wann ein Bauteil ausgetauscht werden muss? Die Forschenden werden auf dem RailCampus OWL unter anderem daran arbeiten, wie man mit Methoden der künstlichen Intelligenz und mathematischer Simulation Prognosen für die Lebensdauer von Bauteilen erstellen kann. Dafür werten sie Daten aus Konstruktion, Betrieb und Wartung der Züge aus. Könnte man Züge mit Sensorik ausrüsten, die im täglichen Verkehr die Schienen überprüft und so teure Wartungsfahrten reduzieren? Wie lassen sich die Daten fahrender Züge in Echtzeit mitlesen und so aufbereiten, dass die Wartung schneller und zielgerichteter erfolgen kann?

Mehr Schnelligkeit im Güterverkehr auf der Schiene

Im Güterverkehr auf der Schiene stecken erhebliche Optimierungspotenziale. Die Deutsche Bahn will gemeinsam mit den Wissenschaftler*innen der Hochschulen des Campus OWL die Vernetzung der Güterverkehrslogistik auf der Schiene vorantreiben. Wie kann man das Be- und Entladen von Güterzügen automatisieren? Welche Technologie braucht es, um ein Frachtgut über verschiedene Transportmittel in Echtzeit zu verfolgen? Dies sind nur einige der Fragen, die in diesem Wirkungsfeld des RailCampus OWL bearbeitet werden sollen.

Bahnhof der Zukunft – ein innovativer Nachbar des RailCampus OWL

Angrenzend an den RailCampus OWL wollen die Projektpartner*innen den historischen Bahnhof Minden zum Bahnhof der Zukunft ausbauen. Forschende und die Expert*innen der Bahnbranche wollen untersuchen, wie Bahnreisende und Güter mit Leitsystemen optimal durch den Bahnhof manövriert werden. Hier kann Raum für Co-Working-Plätze, Ausstellungen und Technologie-Schaufenster entstehen.

Die Front und damit das Gesicht des neuen RailCampus OWL wird das Fort B bilden, ein historisches hufeisenförmiges Backsteingebäude, das im Zuge des Baus der Köln-Mindener Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Das Gebäude wird im Rahmen des Projektes modernisiert und soll Raum bieten für Unternehmen, Ausstellungen, Forschungsprojekte, Lehrveranstaltungen und die künftige Geschäftsstelle des RailCampus OWL. Mit seiner engen Einbindung in das städtebauliche Entwicklungskonzept „Neues Leben am Kohlenufer" ist der RailCampus OWL ein Schaufenster für die Mobilität der Zukunft und macht sie in der Stadt, der Region und darüber hinaus sichtbar und greifbar. Der RailCampus OWL wird junge Studieninteressierte, Fach- und Führungskräfte und mit ihnen Familien und Kaufkraft nach Minden und Umgebung holen und damit die Stadt und die Region bereichern.

Minden und OWL – traditionell starke Technologiestandorte für die Bahn

Der Standort Minden und die Region Ostwestfalen-Lippe bieten ideale Bedingungen für das Projekt. Die Deutsche Bahn ist hier mit der DB Systemtechnik und mit DB Cargo vertreten. Zudem haben in der Region bedeutende Zulieferfirmen für die Bahnwirtschaft ihren Sitz, darunter die RailCampus OWL-Partner der ersten Stunde HARTING und WAGO.

Mit der Nähe zum Bahnhof hat der RailCampus OWL eine direkte Anbindung an die Bahnstrecke Köln-Berlin, potenzielle Teststrecken für den autonomen Schienenverkehr liegen in direkter Umgebung. Ein Industriehafen und die Kreuzung von Weser und Mittellandkanal sind nur wenige Kilometer entfernt. Die Region liegt zwischen dem bevölkerungsstarken Ruhrgebiet sowie Hannover und Hamburg. Die vier am Projekt beteiligten Hochschulen in direkter Umgebung bilden eine starke Basis für Forschung und Bildung.

Große Chancen für Technologietransfer und Startup-Wirtschaft

Der RailCampus OWL schließt die Lücke zwischen Forschung und Entwicklung von Bahntechnologie bis hin zu ihrer Erprobung und dem Erreichen der Serienreife. Durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und führenden Unternehmen der Bahntechnologie an einem Ort bietet der Campus auch ein optimales Umfeld für die Entwicklung neuer Technologien und Produkte und damit auch für die Gründung neuer Unternehmen.

Der RailCampus OWL wird vom Bund gefördert und ist ein Projektkandidat der REGIONALE 2022. Ostwestfalen-Lippe richtet das NRW-Strukturentwicklungsprogramm REGIONALE unter der Überschrift „UrbanLand“ aus. Ziel ist es, die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land über innovative und modellhafte Projekte zu stärken.

Kontakt

René Fahr

Prof. Dr. René Fahr

Universität Paderborn

Wissens- und Technologietransfer

Zur Person

Die Universität der Informationsgesellschaft